Installationen / Wasserkur / Text
 

Bemerkenswert am mittelalterlichen Rheintor in Linz sind die beeindruckenden Hochwasser-marken an der Außenfassade. Die Wände im Innenraum sind bis auf eine Höhe von ca. 2 Metern gekachelt.

Fünf weiße Regenschirme schweben um 90 Grad gekippt in unterschiedlicher Höhe scheinbar schwerelos in dem abgedunkelten Raum und rotieren unabhängig voneinander in langsamen Drehbewegungen um ihre eigene Achse. Eine der weißen Schutzflächen dient als Projektionsebene für das gebeamte Videobild.

In unregelmäßigen Abständen wird live ein Gedicht von Wilhelm Müller (1794 - 1827) rezitiert:


Tränenregen

Wir saßen so traulich beisammen
Im kühlen Erlendach,
Wir schauten so traulich zusammen
Hinab in den rieselnden Bach.

Der Mond war auch gekommen,
Die Sternlein hinterdrein,
Und schauten so traulich zusammen
In den silbernen Spiegel hinein.

Ich sah nach keinem Monde,
Nach keinem Sternenschein,
Ich schaute nach ihrem Bilde,
Nach ihren Augen allein.

Und sahe sie nicken und blicken
Herauf aus dem seligen Bach,
Die Blümlein am Ufer, die blauen,
Sie nickten und blickten ihr nach.

Und in den Bach versunken
Der ganze Himmel schien
Und wollte mich mit hinunter
In seine Tiefe ziehn.

Und über den Wolken und Sternen,
Da rieselte munter der Bach
Und rief mit Singen und Klingen:
Geselle, Geselle, mir nach!

Da gingen die Augen mir über,
Da ward es im Spiegel so kraus;
Sie sprach: Es kommt ein Regen,
Ade, ich geh nach Haus.

 

 

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